Rund jede vierte Geburt in Deutschland wird eingeleitet – das ist häufiger, als viele denken. Eine Einleitung kann aus medizinischen Gründen nötig sein oder wenn der errechnete Termin überschritten ist. Wir erklären dir die Methoden, den Ablauf und was dich erwartet.
Was bedeutet Geburtseinleitung?
Bei einer Geburtseinleitung (auch: Weheneinleitung oder Geburtsinduktion) wird der Geburtsvorgang künstlich in Gang gesetzt, bevor die Wehen von selbst beginnen. Ziel ist es, die Geburt kontrolliert zu starten – meist aus medizinischen Gründen, die ein Abwarten nicht mehr sinnvoll machen.
In Deutschland werden etwa 20–25 % aller Geburten eingeleitet. Die Tendenz ist in den letzten Jahren leicht steigend. Eine Einleitung ist kein „Notfall" – sie ist ein geplanter medizinischer Vorgang, der im Krankenhaus stattfindet.
Wann wird eine Einleitung durchgeführt?
Die häufigsten Gründe für eine Geburtseinleitung sind:
- Überschreitung des Geburtstermins: Ab 41+0 bis 42+0 Schwangerschaftswochen wird meist eingeleitet, da das Risiko für Komplikationen steigt.
- Vorzeitiger Blasensprung: Wenn die Fruchtblase platzt, aber innerhalb von 24–48 Stunden keine Wehen einsetzen.
- Schwangerschaftsdiabetes: Bei insulinpflichtigem Diabetes wird oft um Termin oder früher eingeleitet.
- Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie): Hoher Blutdruck oder Eiweiß im Urin können eine frühere Entbindung nötig machen.
- Wachstumsstillstand des Kindes: Wenn das Baby nicht mehr ausreichend versorgt wird.
- Verminderte Fruchtwassermenge (Oligohydramnion).
- Kindliches Wohlbefinden gefährdet: Auffällige CTG-Kurven oder Doppler-Werte.
- Wunsch der Mutter: Eine „Wunscheinleitung" ohne medizinischen Grund ist in Deutschland umstritten und wird nicht von allen Kliniken angeboten.
Methoden der Geburtseinleitung
Es gibt verschiedene Methoden, die je nach Reife des Muttermundes und der Gebärmutterhalses (Bishop-Score) eingesetzt werden:
Mechanische Methoden
- Eipollösung (Stripping): Sanfte Methode – die Ärztin löst mit einer Fingerbewegung die Fruchtblase vom unteren Gebärmutterrand. Dies setzt Hormone frei, die Wehen auslösen können. Keine Medikamente, kaum Nebenwirkungen.
- Ballonkatheter (Cook- oder Foley-Katheter): Ein dünner Schlauch mit einem Ballon wird in den Gebärmutterhals eingeführt und mit Kochsalzlösung gefüllt. Der Ballon weitet den Muttermund mechanisch auf. Keine Wehenmittel nötig.
- Laminaria-Stifte: Kleine Stäbchen aus getrocknetem Seetang, die im Gebärmutterhals quellen und ihn sanft weiten. Heute seltener verwendet.
Medikamentöse Methoden
- Prostaglandine (Gel, Tablette oder Minipessar): Hormone, die den Muttermund weich machen und Wehen auslösen können. Werden vaginal verabreicht. Häufigste Methode bei unreifem Muttermund.
- Oxytocin (Syntocinon) als Tropf: Das Hormon Oxytocin wird über eine Infusion verabreicht und löst regelmäßige Wehen aus. Diese Methode wird angewendet, wenn der Muttermund bereits etwas geöffnet ist. Die Dosis wird langsam gesteigert, bis die Wehen gut sind.
- Prostaglandin-Tablette zum Einnehmen (Cytotec / Misoprostol): Wirkt zuverlässig, ist aber nicht offiziell für die Geburtseinleitung zugelassen („Off-Label-Use"). Wird dennoch angewendet.
Ablauf einer Einleitung
- Voruntersuchung: Der Muttermund wird auf Weite, Länge und Konsistenz beurteilt (Bishop-Score). Ggf. wird ein CTG geschrieben, um die Herztöne des Babys zu prüfen.
- Methode wählen: Je nach Bishop-Score wird eine mechanische oder medikamentöse Methode gewählt.
- Überwachung: Nach der Gabe von Prostaglandinen oder Oxytocin wirst du regelmäßig per CTG überwacht. Wehen können innerhalb von 30 Minuten bis zu mehreren Stunden einsetzen.
- Geburtsverlauf: Sobald regelmäßige Wehen da sind, verläuft die Geburt ähnlich wie eine spontane Geburt. Die Eröffnungsphase kann jedoch länger dauern.
Risiken und Nebenwirkungen
Eine Geburtseinleitung ist ein sicherer medizinischer Vorgang, aber wie bei jedem Eingriff gibt es mögliche Nebenwirkungen:
- Stärkere oder häufigere Wehen: Besonders bei Oxytocin können die Wehen von Anfang an sehr stark sein. Eine PDA kann helfen.
- Längere Geburtsdauer: Besonders bei unreifem Muttermund kann die Eröffnungsphase länger dauern als bei einer spontanen Geburt.
- Erhöhtes Kaiserschnitt-Risiko: Statistisch haben eingeleitete Geburten ein etwas höheres Risiko für einen Kaiserschnitt, vor allem bei unreifem Muttermund.
- Überstimulierung der Gebärmutter: Zu häufige oder zu starke Wehen können die Herzfrequenz des Babys beeinflussen.
- Nabelschnurvorfall: Sehr selten, nach künstlichem Blasensprung.
Wichtig: Die Risiken einer Nicht-Einleitung (z. B. Übertragung, Plazentainsuffizienz) sind in den meisten Fällen höher als die Risiken der Einleitung selbst.
Tipps für die Einleitung
- Frage nach einem Ballonkatheter statt direkt Medikamenten – das kommt oft mit weniger Nebenwirkungen.
- Nimm dir Zeit – eine Einleitung kann von wenigen Stunden bis zu zwei Tagen dauern.
- Bewegung kann helfen: Gehen, Gymnastikball oder aufrechte Positionen fördern den Geburtsfortschritt.
- Bereite dich auf stärkere Wehen vor: Frage frühzeitig nach einer PDA, wenn du unsicher bist.
- Essen und Trinken – bei einer Einleitung mit Oxytocin bekommst du einen Zugang, bei mechanischen Methoden darfst du meist normal essen.
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