Stillen – Tipps für den erfolgreichen Start

Erstellt: 13.06.2026Aktualisiert: 13.06.2026Autor: Dr. Marcel Kremser

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt – aber das heißt nicht, dass es von Anfang an einfach ist. Die ersten Tage sind oft eine Lernphase für Mutter und Kind. Mit den richtigen Techniken, Geduld und etwas Unterstützung klappt es fast immer.

Die erste Stunde – das Goldene Fenster

Direkt nach der Geburt sind die meisten Babys wach und aufmerksam – das ist der perfekte Moment für den ersten Hautkontakt und das erste Anlegen. Leg dein Baby auf deine nackte Brust: Es wird von selbst zur Brust krabbeln und zu trinken beginnen (sogenanntes „Breast Crawl").

  • Der erste Milchkontakt ist noch Kolostrum (Vormilch) – gelblich, dickflüssig, extrem nährstoffreich
  • Kolostrum gibt es schon vor der Geburt und in den ersten 2–4 Tagen nach der Geburt
  • Das Baby muss in den ersten 24 Stunden mindestens 2–3 Mal angelegt werden
  • Hautkontakt direkt nach der Geburt fördert den Milcheinschuss und stärkt die Bindung

Die richtige Anlegetechnik

Eine gute Anlegetechnik ist die halbe Miete. So geht's:

  1. Position: Dreh das Baby mit dem ganzen Körper zu dir – Bauch an Bauch, Kopf in Höhe der Brustwarze.
  2. Mund öffnen: Streich mit der Brustwarze über die Oberlippe des Babys – es öffnet reflexartig den Mund weit.
  3. Anlegen: Führ das Baby zur Brust, nicht die Brust zum Baby. Der Mund sollte den gesamten Warzenhof umfassen, nicht nur die Brustwarze.
  4. Kontrolle: Die Unterlippe ist nach außen gestülpt, das Kinn berührt die Brust, die Nase ist frei. Wenn es wehtut, liegt es falsch – neu anlegen.

Anzeichen für gutes Anlegen: Keine Schmerzen, regelmäßiges Schlucken, die Brust fühlt sich nach dem Stillen weicher an.

Stillpositionen

  • Wiegenhaltung: Klassisch – das Baby liegt im Arm, Kopf in der Armbeuge. Gut für den Anfang, aber oft schwer richtig hinzubekommen.
  • Rückenhaltung (Football-Haltung): Das Baby liegt seitlich an deinem Körper, die Beine zeigen nach hinten. Gut nach Kaiserschnitt (kein Druck auf die Narbe).
  • Seitenlage: Du und das Baby liegen auf der Seite – perfekt für die Nacht und sehr entspannend.
  • Rückwärtsstillen (Laid-Back): Du lehnst dich zurück, das Baby liegt auf deinem Bauch. Nutzt die Schwerkraft für ein tiefes Anlegen.

Probiere verschiedene Positionen aus – jede Frau und jedes Baby haben eine Lieblingsposition.

Der Milcheinschuss – was passiert?

2–4 Tage nach der Geburt kommt der Milcheinschuss: Die Brüste werden praller, wärmer, manchmal auch richtig fest und schmerzhaft. Das ist der Moment, in dem die Milchproduktion richtig anspringt.

  • Jetzt wird aus dem Kolostrum die reife Muttermilch – flüssiger, heller, mengenmäßig viel mehr
  • Die Brüste können sich gespannt und heiß anfühlen – Kühlen hilft (Kühlpads, kühle Tücher)
  • Häufiges Anlegen oder Abpumpen lindert das Spannungsgefühl
  • Bei Fieber oder starken Schmerzen: Hebamme fragen (Mastitis?)

Häufige Probleme & Lösungen

  • Wunde Brustwarzen: Meist falsche Anlegetechnik. Kontrolliere das Anlegen neu. Zwischen den Stillzeiten die Brustwarzen trocknen lassen (Luft).
  • Milchstau: Harte, schmerzhafte Stelle in der Brust. Wärme vor dem Stillen, Kühle nach dem Stillen, häufiger anlegen, das Baby mit dem Kinn zur verhärteten Stelle positionieren.
  • Zu wenig Milch: Fast immer gefühlt, nicht real. Wenn nasser Windeln (6–8/Tag) und Gewichtszunahme stimmen, passt die Milchmenge.
  • Zu viel Milch (Milchspendereflex): Das Baby verschluckt sich. Vor dem Stillen etwas Milch abpumpen oder in den „Rückwärtsstillen"-Position anlegen.
  • Baby trinkt nicht richtig: Stillberaterin oder Hebamme hinzuziehen – oft reicht eine kleine Korrektur der Position.

Stillen und Beruf – so klappt's

In Deutschland hast du ein gesetzlich verankertes Recht auf Stillpausen während der Arbeitszeit (bis das Kind 1 Jahr alt ist, mindestens 2×30 Minuten oder 1×60 Minuten pro Tag).

  • Gewöhne das Baby 3–4 Wochen vor Arbeitsbeginn an die Flasche (abgepumpte Milch).
  • Eine gute Milchpumpe (elektrisch, doppelseitig) ist Gold wert – manche KK bezuschussen sie.
  • Milch hält sich im Kühlschrank 2–3 Tage, im Gefrierfach 3–6 Monate.
  • Auf Birthplace findest du Kliniken mit Stillberatung und stillfreundlicher Ausstattung.

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