Geburtsverletzungen & Dammriss
Die Angst vor Dammriss oder Dammschnitt beschäftigt viele werdende Mütter. Dabei sind die meisten Geburtsverletzungen harmlos und heilen gut. Wir nehmen dir die Angst mit Fakten.
Wie häufig sind Geburtsverletzungen?
- 70–80 % aller Frauen haben nach einer vaginalen Geburt eine Geburtsverletzung.
- Die überwiegende Mehrheit sind oberflächliche Schürfungen oder kleine Einrisse (Grad 1), die von selbst heilen.
- Nur 0,5–3 % der Frauen erleiden einen schweren Dammriss (Grad 3 oder 4).
Dammriss – die Grade im Überblick
Grad 1 – Leichter Einriss
Nur die Haut und das oberflächliche Gewebe am Damm sind betroffen. Meist keine Nähte nötig, heilt in wenigen Tagen von selbst.
Grad 2 – Mittlerer Einriss
Die Dammmuskulatur ist mit betroffen. Wird unter lokaler Betäubung genäht. Heilt in 2–3 Wochen. Häufigster Grad.
Grad 3 – Schwerer Dammriss
Der Schließmuskel des Afters ist eingerissen. Muss im OP unter Vollnarkose oder PDA genäht werden. Heilt in ca. 4–6 Wochen. Selten.
Grad 4 – Sehr schwerer Dammriss
Der Riss geht durch den Schließmuskel bis in die Darmschleimhaut. Sehr selten (unter 1 %), wird chirurgisch versorgt. Heilung mehrere Wochen, Physiotherapie sinnvoll.
Wichtig: Die Grade 1 und 2 machen über 95 % aller Dammrisse aus. Die Angst vor einem schweren Riss ist meist unbegründet.
Dammschutz – was wird getan?
Hebammen und Ärztinnen schützen den Damm während der Austreibungsphase aktiv:
- Manueller Dammschutz: Die Hebamme legt eine Hand auf den Damm und bremst den Durchtritt des Kopfes sanft ab, damit das Gewebe nicht überdehnt.
- Warme Kompressen: Wärmende Auflagen auf den Damm machen das Gewebe geschmeidiger und durchbluteter.
- Geburtsposition: Aufrechte Positionen (Gebärhocker, Vierfüßlerstand, Seitenlage) entlasten den Damm.
- Langsames Pressen: Wenn der Kopf langsam und kontrolliert durchtritt, reißen die Gewebe seltener.
Dammschnitt – ja oder nein?
Ein Dammschnitt (Episiotomie) ist ein gezielter Schnitt, der unter lokaler Betäubung gesetzt wird. Früher wurde er routinemäßig durchgeführt, heute nur noch bei medizinischer Notwendigkeit:
- Bei einer Saun- oder Zangengeburt
- Wenn das Baby nicht genug Sauerstoff bekommt und schnell entbunden werden muss
- Bei Steißlage oder Schulterdystokie (steckende Schulter)
- Zum Schutz des Kindes bei Frühgeburten
Die Dammschnitt-Rate ist von über 80 % in den 1990er Jahren auf heute etwa 15 % gesunken. Ein unkontrollierter Riss heilt oft besser als ein glatter Schnitt.
Heilung – was hilft?
- Sitzbäder: Mit lauwarmem Wasser (ggf. Kamille oder Eichenrinde) 2–3× täglich für 5–10 Minuten – fördert Durchblutung und Heilung.
- Kühlen: In den ersten 24 Stunden helfen Kühlpads oder eine gekühlte Binde gegen Schwellung und Schmerz.
- Bewegung: Nicht zu viel sitzen, im Liegen stillen, auf einem Ringkissen sitzen.
- Wundhygiene: Nach jedem Toilettengang mit Wasser reinigen und vorsichtig abtupfen.
- Darmregulation: Ballaststoffreiche Ernährung, viel trinken, nicht pressen – sonst reißen die Fäden.
- Beckenbodentraining: Frühestens 6 Wochen nach der Geburt mit leichten Übungen beginnen.
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