Beckenbodentraining nach der Geburt
Erstellt: 13.06.2026|Aktualisiert: 13.06.2026|Autor: Dr. Marcel Kremser
Der Beckenboden ist während der Schwangerschaft und Geburt enormen Belastungen ausgesetzt. Ein gezieltes Training nach der Geburt hilft nicht nur gegen Inkontinenz, sondern beugt auch Senkungsbeschwerden vor und verbessert das Körpergefühl.
Warum ist Beckenbodentraining wichtig?
- Der Beckenboden trägt während der Schwangerschaft das gesamte Gewicht von Gebärmutter, Baby und Fruchtwasser
- Bei der Geburt wird er maximal gedehnt – besonders bei einer vaginalen Geburt
- Ein schwacher Beckenboden kann zu Inkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust beim Husten, Niesen, Springen) führen
- Auch Senkungsgefühle (das Gefühl, etwas fällt nach unten) können die Folge sein
- Gutes Beckenbodentraining beugt vor und kann bestehende Beschwerden oft komplett beheben
Ab wann darfst du trainieren?
- Nach spontaner Geburt: Mit sanften Beckenboden-Übungen kannst du schon 1–2 Wochen nach der Geburt beginnen (Beckenboden spüren, aktivieren)
- Nach Dammriss oder Dammschnitt: 2–3 Wochen warten, bis die Wunde verheilt ist – dann mit der Hebamme besprechen
- Nach Kaiserschnitt: Auch nach Kaiserschnitt ist Beckenbodentraining wichtig (die Schwangerschaft hat den Beckenboden bereits belastet). Ab der 2. Woche sanft beginnen
- Rückbildungskurs: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für einen Kurs – in der Regel ab der 6.–8. Woche
Übung 1: Beckenboden spüren (ab Tag 1)
Ausgangsposition: Leg dich auf den Rücken, die Knie aufgestellt, die Füße hüftbreit aufgestellt.
- Stell dir vor, du hältst den Urinstrahl an – genau diese Muskeln aktivierst du. Zusätzlich: Stell dir vor, du ziehst eine Perle mit der Scheide nach innen oben.
- Spanne die Muskeln sanft an – nicht maximal, nur etwa 30 % deiner Kraft.
- Halte die Spannung für 5 Sekunden – atme ruhig weiter.
- Lass bewusst und vollständig los – das Loslassen ist genauso wichtig wie das Anspannen.
- Wiederhole 10–15 Mal, 3× täglich.
Übung 2: Der Aufzug (ab Woche 2)
Der Beckenboden ist wie ein Aufzug, der in verschiedenen Etagen stoppt:
- Erdgeschoss: Beckenboden locker lassen.
- 1. Stock: Sanft anspannen (wie Übung 1).
- 2. Stock: Etwas stärker anspannen.
- 3. Stock: Maximale Spannung (ohne zu verkrampfen).
- Dann langsam wieder abwärts: 3 → 2 → 1 → Erdgeschoss.
- Jede Etappe 3–5 Sekunden halten.
Diese Übung schult die Wahrnehmung und die Koordinationdes Beckenbodens. 5–10 Wiederholungen.
Übung 3: Beckenboden mit Atmung (ab Woche 2)
- Leg dich auf den Rücken, Knie aufgestellt.
- Atme tief in den Bauch ein – der Beckenboden entspannt sich dabei ganz natürlich.
- Beim Ausatmen den Beckenboden sanft anspannen und nach oben ziehen.
- Beim nächsten Einatmen wieder bewusst loslassen.
- 10–15 Wiederholungen.
Übung 4: Im Alltag integrieren (ab Woche 4)
- Beim Zähneputzen: Beckenboden anspannen, 10 Sekunden halten, loslassen
- An der Ampel: Beckenboden anspannen, bis es grün wird
- Beim Husten oder Niesen: Beckenboden kurz bewusst anspannen – das verhindert ungewollten Urinverlust
- Beim Heben des Babys: In die Knie gehen, Beckenboden anspannen, Baby hochheben
Was du vermeiden solltest
- Crunches und Sit-Ups: In den ersten 3 Monaten belasten sie den Beckenboden zu stark
- Springen, Laufen, Hüpfen: Joggen ist frühestens nach 3–4 Monaten wieder sinnvoll
- Pressen beim Stuhlgang: Viel trinken, Ballaststoffe essen – Verstopfung vermeiden
- Schnelle, ruckartige Bewegungen – der Beckenboden mag es langsam und kontrolliert
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