Geburt im Krankenhaus – Ablauf & Tipps

Erstellt: 13.06.2026Aktualisiert: 13.06.2026Autor: Dr. Marcel Kremser

Die meisten Frauen in Deutschland entbinden im Krankenhaus – trotzdem ist der Ablauf für viele eine Blackbox. Wir nehmen dich mit von der Anmeldung an der Pforte bis zur ersten Zeit mit deinem Baby im Wochenbettzimmer.

1. Ankunft & Anmeldung

Wenn die Wehen einsetzen oder die Fruchtblase platzt, gehst du in die Klinik. Meist meldest du dich an der zentralen Aufnahme oder direkt im Kreißsaal(viele Kliniken haben einen eigenen Kreißsaal-Eingang).

  • Gib deinen Mutterpass und deine Versichertenkarte ab
  • Dein Geburtsplan wird an die Hebamme weitergegeben
  • Die Klinik braucht deine Einverständniserklärung für die Geburt und ggf. einen Kaiserschnitt
  • Falls du Zeit hast: Kliniktasche aufs Zimmer bringen, Partner parkt das Auto um

2. Erstuntersuchung im Kreißsaal

Eine Hebamme nimmt dich auf und prüft:

  • CTG (Cardiotokographie): 20–30 Minuten Aufzeichnung der Herztöne deines Babys und deiner Wehentätigkeit.
  • Muttermund-Befund: Wie weit ist der Muttermund geöffnet? (in cm). Erst ab 3–4 cm beginnt die aktive Eröffnungsphase.
  • Blasensprung? Ist die Fruchtblase noch intakt oder schon geplatzt? Ggf. wird ein Test gemacht.
  • Blutdruck & Temperatur: Routine-Kontrolle.
  • Wehen: Wie oft, wie stark, wie regelmäßig?

Wenn du noch in der frühen Eröffnungsphase bist (Muttermund unter 3 cm), wirst du oft gebeten, dich auf dem Zimmer oder im Kreißsaal zu entspannen oder nochmal spazieren zu gehen.

3. Die Eröffnungsphase

Das ist meist der längste Abschnitt. Der Muttermund öffnet sich von 0 auf ca. 8–10 cm. Die Wehen werden regelmäßiger, stärker und kommen alle 3–5 Minuten.

  • Du kannst dich frei bewegen – gehen, auf dem Gymnastikball sitzen, duschen, baden (wenn die Fruchtblase noch intakt ist)
  • In vielen Kliniken gibt es eine Badewanne zur Entspannung
  • Die Hebamme kommt regelmäßig, um das CTG zu kontrollieren und den Fortschritt zu prüfen
  • Jetzt ist der Zeitpunkt, über Schmerzlinderung zu entscheiden – TENS, Lachgas, PDA

4. Die Übergangsphase

Wenn der Muttermund fast vollständig geöffnet ist (8–10 cm), beginnt die Übergangsphase. Sie ist oft die intensivste Phase – die Wehen sind stark, kommen alle 2–3 Minuten und können von Druckgefühl und dem Bedürfnis zu pressen begleitet sein.

  • Viele Frauen werden in dieser Phase unruhig, zweifeln oder wollen aufgeben – das ist völlig normal und ein gutes Zeichen, dass es bald losgeht
  • Die Atemtechniken aus dem Geburtsvorbereitungskurs helfen jetzt besonders
  • Dein Partner oder die Hebamme können dich durch diese Phase begleiten

5. Die Austreibungsphase (Pressen)

Der Muttermund ist vollständig geöffnet. Jetzt beginnt die aktive Pressphase – dein Baby wird geboren.

  • Du darfst pressen – mit oder ohne Anleitung der Hebamme, je nachdem was sich für dich richtig anfühlt
  • Die Geburtsposition ist frei wählbar: hockend, auf der Seite, im Vierfüßlerstand, auf dem Gebärhocker, im Wasser
  • Die Hebamme achtet auf Dammschutz, damit das Gewebe nicht einreißt
  • Der Durchtritt des Kopfes ist der intensivste Moment, dann ist das Baby meist schnell geboren
  • Sobald der Kopf draußen ist, dreht sich das Baby und der Rumpf wird geboren

6. Nach der Geburt – die erste Stunde

  • Das Baby kommt sofort auf deine Brust (Hautkontakt) – das fördert die Bindung und den Milcheinschuss
  • Die Nabelschnur auspulsen lassen (spätes Abnabeln) – der Partner kann sie durchtrennen
  • Die Nachgeburt wird geboren (Plazenta, Eihäute) – dauert 10–30 Minuten
  • Geburtsverletzungen werden versorgt (genäht, wenn nötig)
  • Dein Baby wird untersucht (APGAR-Test, Vitamin K, U1)
  • Nach 1–2 Stunden wirst du auf das Wochenbettzimmer verlegt

Tipps für deine Klinikgeburt

  • Besichtig vorher die Klinik – die meisten bieten Infoabende oder Führungen durch den Kreißsaal an
  • Frag nach den Beleghebammen – so hast du eine vertraute Person dabei
  • Pack deine Kliniktasche rechtzeitig (ab SSW 35)
  • Schreib deinen Geburtsplan – gib ihn bei der Aufnahme ab
  • Wichtig: Nicht immer läuft alles nach Plan – vertrau dem Team im Kreißsaal

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